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Allgemein · Beitrag Nr. 53

Stevia – gesunder Zucker?

Stevia als Zuckerersatz: Stand der EU-Zulassung 2010, Produkte mit Stevia, Unterschied zwischen Extrakt und Steviosid und ADI-Wert der EFSA.

Noch ist der neue Zuckerersatz Stevia in Europa als Lebensmittel nicht zugelassen (Stand 19.10.2010). Am 14. April 2010 hat jedoch die EFSA (European Food Safety Authority, Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) den Grundstein gelegt, um 2011 die Zucker-Revolution zu starten. Die Behörde gab eine positive Bewertung zur Sicherheit von Steviolglycosiden (Bestandteil der Stevia-Pflanze) ab, was eine baldige Zulassung möglich macht.


Stevia rebaudiana (Quelle: Wikipedia)

Was ist Stevia?

Stevia ist die natürliche Süße, gewonnen aus der Stevia-Pflanze („Süßkraut“ oder auch „Honigkraut“). Stevia hat die 300- bis 400-fache Süßkraft von herkömmlichem Zucker, hat keine Kalorien, verursacht kein Karies, ist für Diabetiker geeignet und soll sogar blutdrucksenkend wirken. Klingt unmöglich? Seit Jahrhunderten wird der natürliche Zuckerersatz von Indianern verwendet, und nun steht die Lebensmittelindustrie in den Startlöchern, um Europa zu erobern.

Produkte mit Stevia

Coca-Cola vertreibt in den USA seit 2008 eine Sprite „green“ mit dem neuen Süßstoff (von Coca-Cola „Truvia“ genannt). Danone ist auf dem französischen Markt mit einem Joghurt vertreten, der mit Stevia gesüßt wird (einzige Zulassung in Europa). In Deutschland gibt es offiziell noch keine Stevia-Produkte, der Süßstoff kann jedoch in diversen Internetshops legal gekauft werden, da er als Badezusatz oder Kosmetikprodukt deklariert wird. So wird das Verkaufsverbot von Stevia umgangen. 100 ml des flüssigen Stevia-Extraktes kosten ca. 5 EUR. Dabei gibt es zwei verschiedene Stevia-Produkte:

  • Stevia DULCE - Natürliche Variante des flüssigen Stevia-Extraktes
  • Stevia Steviosid FLUID - Konzentrierte flüssige Variante des Steviosids, des weißen kristallinen Auszugs der Stevia-Pflanze

Anders ausgedrückt: Stevia DULCE ist der natürliche Süßstoff aus der Stevia-Pflanze. Das Fluid hat mit dem Wort „natürlich“ nicht mehr viel zu tun. Es ist ein chemischer Stoff, welcher sich aus den Steviosiden zusammensetzt. Der natürliche Süßstoff wurde einem komplizierten Verfahren unterzogen, um so das Konzentrat zu gewinnen. Die Herkunft und Natürlichkeit der Stevia-Pflanze wird also von der Industrie nur als Marketing-Formel verwendet, um den Menschen den „gesunden Zucker“ zu verkaufen.

Stevia (noch) mit Vorsicht genießen?

Aus hygienischen und gesundheitlichen Gründen sollten Verbraucher den neuen Süßstoff mit Vorsicht genießen. Noch gibt es keine Langzeitstudien über die Einnahme der Stevioside, wie es sie bei den acht anderen zugelassenen Süßstoffen gibt: Acesulfam-Kalium (E-950), Aspartam (E-951), Aspartam-Acesulfam-Salz (E-962), Cyclamat (E-952), Saccharin (E-954), Sucralose (E-955), Thaumatin (E-957) und Neohesperidin-Dihydrochalcon (E-95). Der natürliche Süßstoff Stevia wird zwar ohne Bedenken seit Jahrhunderten in Südamerika genutzt, jedoch nicht die chemisch hergestellte Variante.

Toxikologische Tests haben zwar gezeigt, dass die Stevia-Substanzen weder genotoxisch noch krebserregend sind und auch keinen negativen Einfluss auf die Fortpflanzungsorgane des Menschen sowie das ungeborene Leben haben. Jedoch fehlt noch die Langzeitbeobachtung, die diese Tests beweisen könnte. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (ADI) von 4 mg pro kg Körpergewicht für Steviolglycoside festgelegt.